Anbauvariante fürs Aloha beschlossen

 
 

Mit den Stimmen der Gruppe SPD / BÜNDNIS 90 Die Grünen sowie weiten Teilen der CDU hat der Osteroder Stadtrat beschlossen, die Anbauvariante bei der Sanierung des Aloha weiter auszuplanen und so eine wichtige Weiche für die Zukunft des Osteroder Schwimmbads gestellt.
Lesen Sie hier die Begründung des Fraktionsvorsitzenden Jörg Hüddersen:

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen,

außer der vorliegenden Anbauvariante haben wir keine Planung auf dem Tisch liegen, die auch nur annähernd das Budget von 16 Mio. € einhält.

An dieser Stelle könnte ich eigentlich schließen. Denn die Alternativen wären entweder der wirtschaftliche Selbstmord der WIBO in Form der Sanierungsvariante für mindestens 22 Mio. € ohne Freibad oder die komplette dauerhafte Schließung des Aloha. Beides können wir nicht wollen.

Ich möchte an dieser Stelle nochmal ganz klar sagen, dass die Sanierungsvariante nicht finanzierbar ist. Ein Kredit von 22 Mio. € oder mehr würde die WIBO für viele Jahre an den Rand der Zahlungsunfähigkeit bringen und jede zusätzliche Ausgabe, egal ob im Aloha, in der Stadthalle oder anderswo könnte die Gesellschaft über diese Klippe stoßen. Das wäre unverantwortlich. Und mit 22 Mio. € würden wir ja nur innen sanieren können. Das bedeutet, wir hätten über kurz oder lang draußen die Ruine des 50m-Beckens, für das wir kein Geld zur Sanierung übrig hätten.

Auch eine Aufteilung der Sanierung in mehrere Bauabschnitte, wie sie in den letzten Tag unter anderem in verschiedenen Leserbriefen gefordert wurde, funktioniert nicht. Zum einen können wir nach dem Verbrauch des Budgets nicht nachfinanzieren und müssten die Baustelle nach einem Bauabschnitt erst einmal für einige Jahre stilllegen. Zum anderen ist es unsinnig, weil teurer, statt z.B. eine neue Lüftungsanlage für das gesamte Bad zu bauen, mehrmals in kleinere Anlagen für jeweils einen Bauabschnitt zu investieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Schäden an der Gebäudehülle quasi nur der über der Wasseroberfläche sichtbare Bereich des Eisbergs ist und der weitaus größere Teil des Problems unter der Oberfläche liegt.

Daher steht für uns außer Frage, dass wir einen solchen Hochrisikokurs nicht einschlagen können und ich sage jedem, der sich aus Sorge um die Attraktivität des Aloha hierfür ausspricht, dass dieser Weg eine Sackgasse ist!

Diese Erkenntnis ist gerade für häufige Besucher des Aloha schmerzvoll. Auch in unserer Fraktion hat es erstmal lange Gesichter und viele emotionale Äußerungen gegeben, bis das alles gesackt war. Die Anbauvariante hat bei uns auch erstmal mal keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Als Frau Prof. Häntsch diese Idee zum ersten Mal auf den Tisch legte, war mein spontaner Gedanke "Vergiss es!" Doch dann hat sie glücklicherweise darauf bestanden, ihre Überlegungen wenigstens einmal vorzustellen und dabei hat sie mit Argumenten überzeugt: Die angebaute Schwimmhalle hat zwar eine um 25% kleinere Wasserfläche, die wesentlichen Elemente wie ein 25m-Becken (und das auch mit einer Bahn mehr als das alte), ein Kurs- und Freizeitbecken und ein Kinderbecken sind aber vorhanden. Was wegfällt ist der Strömungskanal. Eine Rutsche und ein Warmaußenbecken werden vermutlich später angebaut, wenn wieder etwas Geld in den Kassen der WIBO ist. Das bedeutet einen Abstrich in der Attraktivität gegenüber dem bisherigen Angebot. Aber ich halte Äußerungen wie "da geht dann doch niemand mehr hin" für maßlos überzogen. Ich erwarte, dass wir ein kleineres aber mindestens genauso feines Bad bekommen, das mit einer modernen Architektur überzeugt.

Bei der Betrachtung der Attraktivität des neuen Aloha dürfen wir auch den Wohlfühlfaktor Personal nicht vergessen, der schon jetzt ganz viel zum positiven Eindruck des Bades beiträgt und auch in Zukunft beitragen wird. Gerade hier haben wir mit der drastischen Verkürzung der Schließzeit den Vorteil, dass wir deswegen nicht entlassen und später versuchen müssen, die bewährten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder zurückzugewinnen.

Das neue Bad wird ein anderes Konzept für die Sommersaison haben, als das alte: eine Trennung von Frei- und Hallenbad wird es nicht mehr geben, weil es dann kein richtiges Freibad mit einem Schwimmerbecken draußen gibt. Stattdessen wird das 25m-Becken in der Halle das Schwimmbecken für das ganze Jahr werden und die Besucher erhalten die Möglichkeit, im Sommer nach draußen zu gehen, um das jetzige Nichtschwimmerbecken zu nutzen und sich auf die Liegewiese zu legen. Hier müssen wir leider die Entscheidung treffen, auf die 5 Mio. € teure Sanierung des 50m-Beckens zu verzichten. Würden wir diesen Betrag vom Budget abzwacken, bliebe wahrscheinlich nur noch Geld für ein einzelnes 25m-Becken übrig und wir könnten kein Kinder- und kein Kurs- und Freizeitbecken bauen. Wenn man dann bedenkt, wie lange im Jahr das große Becken draußen tatsächlich genutzt wird, steht das in keinem Verhältnis.

Wir werden von Anfang an darauf achten, dass der Anbau einer Rutsche und eines Warmaußenbeckens bereits vorgedacht sind und beispielsweise entsprechende Flächen für die Technik im Keller vorgesehen werden. Auch die Möglichkeit, wieder ein Schwimmerbecken außen zu bauen, wollen wir nicht vollkommen ausschließen. Allerdings werden wir hierfür keine technischen Einrichtungen vorplanen oder Platz im Keller reservieren. Sollte es einmal dazu kommen, müsste das Becken mit autarker Technik gebaut werden. Jetzt bereits vorzurüsten macht keinen Sinn, da die Anlagen dann für viele Jahre überdimensioniert wären und wir heute nicht wissen, was dann Stand der Technik ist.

Wir stehen jetzt am Ende eines durchaus schmerzlichen Erkenntnisprozesses und wollten eigentlich in der Planung schon viel weiter sein. "Hätte man da nicht früher drauf kommen können", wurde ich in letzter Zeit häufig gefragt. Meine Antwort lautet: "vielleicht ein bisschen". Mit jeder Begutachtung eines Anlagenteils wurden wir mit neuen Problemen konfrontiert und beinahe monatlich gingen die Kostenschätzungen nach oben. Man hätte vielleicht abbrechen können, als die 20 Mio.-Grenze deutlich überschritten war. Aber dann wäre sicher von irgendjemandem die Frage gekommen, ob man nicht dieses oder jenes weiterverwenden könnte, um Kosten zu sparen. Diese Fragen sind nun wirklich abschließend beantwortet und wir haben eine solide Grundlage für die Entscheidung, die Anbauvariante weiterzuverfolgen.

Das hat mehr Zeit gekostet, als ursprünglich geplant, aber ich weise nochmal ausdrücklich darauf hin, dass wir immer noch in der Vorentwurfsphase sind. Das bedeutet, dass noch kein Handwerker irgendeinen kostenpflichtigen Handschlag gemacht hat. Und auch die Ingenieure und Architekten haben noch mindestens 80% ihrer Arbeit vor sich. Außerdem gehört eine ausführliche Anamnese zum Bauen im Bestand dazu. Dass uns die gewonnenen Erkenntnisse nicht gefallen und die Planungsarbeiten umfangreicher sind als zunächst angenommen können wir aber nicht ändern. Die Mehrkosten dürften sich im Rahmen halten und sie sind gut angelegtes Geld verglichen dazu, dass wir diese Erkenntnisse erst während der Bauphase gewonnen hätten.

Unterm Strich ist die Entscheidung für die Anbauvariante also eine Vernunftentscheidung, mit der wir wirtschaftlich einigermaßen auf der sicheren Seite stehen. Es macht keinen Sinn, aufgrund von Attraktivitätseinbußen, die meiner Meinung nach am Ende nicht so schlimm ausfallen werden, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und die WIBO in ihrer Existenz zu gefährden.

Zum Schuss noch ein Wort zur Einhaltung der Baukosten: natürlich gibt es immer wieder Projekte, die nicht im Kostenrahmen bleiben. Aber die Einschätzung, dass jedes Projekt finanziell überzogen wird, ist sicher falsch. In den Medien wird immer nur dann über Budgets berichtet, wenn diese nicht eingehalten werden. Oder haben Sie schon einmal einen Zeitungsbericht mit der Überschrift „Bauprojekt XY im Kostenrahmen fertiggestellt“ in großen Lettern auf der Titelseite irgendeiner Zeitung gesehen? Das muss man sich immer mal wieder in Erinnerung rufen, wenn man solche Berichterstattung verfolgt. Trotzdem schwebt auch über unserem Projekt ein Kostenrisiko, dass in der aktuellen Steigerung der von den Firmen angebotenen Preise besteht. Hier haben wir zwar bereits einen Puffer eingeplant, aber niemand kann voraussehen, ob wir immer Angebote innerhalb der Spanne bekommen oder ob die Baufirmen angesichts voller Auftragsbücher die Preise nicht doch weiter anziehen.

Wir werden der Anbauvariante unsere Zustimmung geben und dann daran mitwirken, dass das Bad zwar kleiner aber trotzdem attraktiv für seine Besucher und wirtschaftlich tragbar für die WIBO wird.

 

 


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